Monats-Archiv:September, 2014

Amt 2.0

Heute mal ein kurzer Beitrag: Schon vor ein paar Wochen habe ich das Blog http://amtzweinull.com von Christiane Germann gefunden.

Der komplette Titel der Seite lautet:

Screenshot-Ausschnitt von http://amtzweinull.com

Ich bin darauf gestoßen, weil Christiane Germann auch über das Posten von Bildern in Sozialen Netzwerken schreibt und davor ganz deutlich warnt. Auf der Seite http://amtzweinull.com/2014/06/14/urheberrecht schreibt sie am 14. Juni 2014 unter anderem über “das Problem, dass von Creative Commons die Unterlizensierung an soziale Netzwerke (…) nicht abgedeckt ist. Erlaubt wird nämlich höchstens eine ‘Weitergabe (von Nutzungsrechten) zu gleichen Bedingungen’, aber keine derart umfangreiche Einräumung von Rechten, wie sie beispielsweise Facebook bei Upload eines Fotos automatisch erwirbt. Der Fotograf kann an dieser Einschränkung nichts ändern, da sie standardmäßig in allen CC-Lizenzen (außer CC0) enthalten ist“.

Und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob die Nutzungsbedingungen von Facebook auch tatsächlich wirksam oder zulässig sind oder nicht. Aber unabhängig davon ist jedenfalls ist ein solches Teilen wie im folgenden Beispiel keinesfalls zulässig:

Willkürliches Facebook-Teilen-Beispiel

15.09.2014: Willkürliches Facebook-Teilen-Beispiel

Die Webseite www.webnews.de lockt z.B. auf Audiovorschau: Ich trag Dich bis ans Ende der Welt nichtsahnende Seitenbesucher in eine Falle. Wer auf “Link teilen” klickt, holt sich mein Bild von Elmar Wepper auf die eigene Facebook-Seite. Das Bild hat weder auf webnews.de etwas zu suchen, noch auf irgendwelchen Facebook-Seiten als Werbung für webnews.de. Die Ursache dafür hat freilich der User “Newsman” gesetzt, der das Bild samt Text seinerseits zur Werbung für sich und seine Seite dort eingestellt hat. Aber Webnews macht es sich ganz fröhlich zu eigen und lässt Elmar Wepper für sich werben.

Ich persönlich könnte damit dann leben, wenn im Text neben dem Bild automatisch mein Name und die Lizenzinfos inkl. Link mitgegeben würden. Das geht, es wird auf https://developers.facebook.com/docs/plugins durchaus verstehbar beschrieben, wie der übergebene Inhalt definiert wird. Und mit ein bißchen Recherche findet man auch deutschsprachige Anleitungen. Es ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.

Ich bin auch ganz dankbar für die knappe und leicht verständliche Erläuterung des Prinzips der Creative-Commons-Lizenzen, die sich auf derselben Seite von Amt 2.0 zum Urheberecht findet:

Bei Creative Commons gibt es umfangreiche Kennzeichnungspflichten. Ver­öf­fent­licht man ein solches Bild, müssen in unmittelbarer Nähe des Bildes der Ur­he­ber/Fotograf, der Bildtitel (falls vorhanden) und die Art der CC-Lizenz genannt werden. Zusätzlich muss sowohl auf die Lizenz, als auch auf die Originalquelle des Bildes verlinkt werden. Für den Fotografen ist dies eine Art ‘Entlohnung’, da er namentlich genannt wird und durch die Verlinkung sein Google-Ranking und/oder der Traffic auf seine Website steigt.

Das ist sehr schön und knapp zusammengefasst. Und auch die Erläuterung, was die Bedingungen der Lizenzierung unter einer der Creative-Commons-Lizenzen eigentlich sollen, ist klar. Warum gibt es diese Bedingungen? Sie stellen für den Urheber/den Fotografen eine Art Entlohnung sicher. Darum geht es, und das ist es, was man geben muss, wenn man sich Creativ-Commons-lizenzierte Fotos nehmen möchte: Die Anerkennung der Autorenschaft und die Mitteilung der Lizenz und Ihrer Bedingungen. Wer das ignoriert, der ignoriert den Fotografen und nutzt dessen Leistung einfach nur aus. Das ist nicht ok, und darum schreibe ich – soweit mir meine Zeit das erlaubt – hier auf http://bilderklau.lucan.de.

So eine Entlohnung für das Einstellen CC-lizenzierter Bilder, die ja letzten Endes nichts anderes ist als eine Online-Reputation, ist übrigens etwas sehr Wertvolles. Und da ist es kein Wunder, wenn Fotografen, die das so sehen, die Verweigerung dieser Entlohnung als Bilderkau ansehen. Das tue nicht nur ich, das tun viele. Und die Lizenztexte selbst sehen das auch so. Sie gelten nicht, wenn man die Lizenzbedingungen nicht einhält, und man fällt auf das gewöhnliche Recht, wie es im Gesetz steht, zurück. Mit allen Konsequenzen.

Mag es sein, dass es Fotografen gibt, die Ihre Bilder tatsächlich “kostenlos” zur Verfügung stellen wollen und die Einhaltung der Lizenzbedingungen als Entlohnung nicht weiter wichtig nehmen. Warum die dann nicht die Lizenz CC0 verwenden, ist mir allerdings schleierhaft.

Charlotte

Kuh auf einer Wiese in Oberbayern

Die Kuh Charlotte, fotografiert vom Harald

Das ist eine Kuh, sie heißt Charlotte. Das Foto ist schon 10 Jahre alt, und die Charlotte lebt bestimmt nicht mehr, leider.

Das Foto von Charlotte hat der Harald gemacht. Der Harald ist damals im Jahr 2004 in Oberbayern spazieren gegangen und hat Charlotte gesehen, wie sie es sich auf einer Wiese gemütlich gemacht hat. Da hat er das Foto gemacht[1]. So kann er sich bis heute an Charlotte erinnern. Und an den schönen Sommertag in Oberbayern.

Und weil der Harald sein Foto von Charlotte so schön fand, hat er es auf eine Webseite von Wikipedia (oder genauer gesagt: Wikimedia Commons) getan. Und er hat auch erlaubt, dass das Foto jeder benutzen darf. So wie zum Beispiel hier auf der Schweizer Webseite http://naturschutz.ch:

Screenshot vom 13.09.2014

Charlotte auf der Webseite von naturschutz.ch
http://naturschutz.ch/news/schweizer-tierhaltung-wird-uberschatzt/70321

Darüber freut sich der Harald, denn am Ende von dem Artikel steht auch noch ein Hinweis auf den Harald:

Hinweis auf den Harald

Und so weiß jeder, dass der Harald das Foto gemacht hat, und auch, dass jeder das Foto benutzen darf. Und was man tun muss, damit man das darf. Das kann man nämlich alles genau lesen, wenn man auf diese komischen grünen Buchstaben klickt, die da in so eckigen Klammern angegeben sind (“CC-BY-SA-3.0″).

Und wenn man das alles so hinschreibt, so wie die Daniela auf der Schweizer Webseite, dann muss man für das Foto auch kein Geld bezahlen. Und Ihr wisst jetzt auch, wie der Harald noch weiter heißt, nämlich Bischoff: Harald Bischoff.

Harald Bischoff
© pixeldost - Foto: Michael Lucan
Mehr über den Harald könnt Ihr beim Mediendiest Kress (Kressköpfe) erfahren.

Der Harald hat in seinem Leben schon ganz viele Sachen gemacht, und heute lebt er auch davon, dass er Fotos macht und die verkauft. An Zeitungen und so weiter. Aber für das Foto von der Kuh, dafür wollte er kein Geld, sondern er wollte es verschenken. Nicht wirklich verschenken natürlich, denn wenn man das Foto selber verwenden will, dann muss man ja seinen Namen und diese Sache mit dem CC-BY-SA-3.0 immer dazu schreiben. Das nennt man einen Lizenzvertrag.

Das ist so ganz praktisch, weil: Da kann man das Foto nehmen und muss den Harald nicht nochmal extra um Erlaubnis bitten. Und auch kein Geld bezahlen. Und das freut auch die Leute wie die Daniela von http://naturschutz.ch, weil sie dann das schöne Foto von der Charlotte für Ihren Artikel einfach so nehmen können.

Und wenn Charlotte das noch erlebt hätte, würde sie sich sicher auch freuen, dass sie dadurch sogar in der Schweiz ein bisschen berühmt geworden ist.


  1. Kühe auf einer Weide in Oberbayern (Ausschnitt) von Harald Bischoff, Lizenz: Creative-Commons-Lizenz “Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert”.
    Die Lebendohrmarkennummer in den Ohrmarken wurde für die Verwendung des Bildes auf dieser Webseite wegretuschiert.

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