Monats-Archiv:August, 2015

Bilder unter freier Lizenz nutzen – weit verbreitete Fehler und wie man sie vermeidet

von Jöran Muuß-Merholz auf www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. 

Urheberrechtsverletzungen bei freien Lizenzen?

Die Nutzung von Bildern unter freier Lizenz sind eine beliebte Möglichkeit für Prä­sen­ta­ti­on­en und Websites. Sie ermöglichen eine kosten­lose und einfache Nut­zung von Fotos und Grafiken, die sich mit dem Ur­heber­recht verträgt. Allerdings: „Unter freier Lizenz“ be­deutet nicht „lizenzfrei“ – im Gegen­teil. Was viele nicht wissen: Wer bei der Nutzung nicht alle Vor­gaben der Lizenz einhält, der begeht einen Urheber­rechts­ver­stoß. Das Vi­deo er­läutert die Auf­lagen anhand einer Checkliste mit 10 Punkten. Auch das Recht am eigenen Bild wird dabei be­rücksichtigt.

Video „Bilder unter freier Lizenz nutzen – weit verbreitete Fehler und wie man sie vermeidet“ von Blanche Fabri, Melanie Kolkmann, Tessa Moje, Jöran Muuß-Merholz für open-educational-resources.de – Transferstelle für OER.       Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International.

Update 8.12.2014

Das Video ist beim VWA-Wettbewerb „Videos für Wikipedia“ als bestes Video in der Kategorie „Animation“ ausgezeichnet worden. Mehr dazu …

Checkliste

Die folgende Checkliste gibt es auch zum Download: .odt / .pdf.

  1. Man prüfe, auf welchen Inhalt genau sich die Lizenz erstreckt! Z.B. sind an vielen Stellen im Web Texte neben Bildern vorhanden – und auf getrennte Elemente besteht je ein gesondertes Urheberrecht.
  2. Man prüfe, ob man die einzelnen Vorgaben der Lizenz einhält! Diese stehen im jeweiligen Lizenztext, der immer verlinkt sein sollte. Neben der Namensnennung können das Auflagen wie „nicht-kommerziell“, „Weitergabe unter gleichen Be­dingungen“ oder „keine Bearbeitung“ sein.
  3. Man nenne den Namen des Urhebers! Die Namensnennung muss so erfolgen, wie der Urheber das vorgibt, also z.B. auch mit Pseudonym oder Organisation.
  4. Man gebe einen Hinweis auf die Lizenz!
  5. Dazu gehört auch: Man muss einen Link zum Lizenztext beifügen.
  6. Man vergesse nicht, den Titel des Werks zu nennen! Das gilt natürlich nur, wenn ein Titel angegeben ist, wobei strittig ist, ob z.B. „IMG_6464.jpg“ überhaupt ein Titel ist.
    (Diese Auflage entfällt bei Werken, die nach der neuesten Lizenzversion 4.0 freigegeben werden.)
  7. Man darf die Lizenzangaben nicht verstecken. Es gibt allerdings keine genaue Vor­gabe, wo exakt der Hinweis platziert sein muss. Am besten ist es, wenn der Hinweis direkt am Bild zu finden ist. Auf jeden Fall muss der Hinweis ohne große Mühe zu finden und eindeutig dem Werk zuzuordnen sein.
  8. Man kennzeichne Abwandlungen! Das bedeutet: Wer einen Inhalt verändert, muss das deutlich machen.
  9. Jetzt noch ein Hinweis, der gar nicht direkt mit der Li­zenz zu tun hat – aber der Lizenz wegen sehr häufig übersehen wird: Man vergesse nicht, auf Per­sön­lich­keits­rech­e und Daten­schutz zu achten! Denn eine freie Lizenz regelt nur das Recht des Ur­hebers, also z.B. des Fotografen. Das Recht der ab­ge­bildeten Per­sonen ist davon voll­kommen un­berührt.
  10. Als Zugabe haben wir noch eine Sache, die gar kein MUSS ist – aber sehr hilfreich: Man setze einen Link zur Fundstelle.
Creative Commons Lizenzvertrag BY 4.0 Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0).
Autor ist Jöran Muuß-Merholz auf www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. 

Gericht: Mouse-over-Angaben auch bei Creative Commons nicht ausreichend

von David Pachali (14. Juli 2015)

Im Blog „Offene Netze und Recht“ weist Reto Mantz auf ein Urteil des Landgerichts München hin, das sich mit Creative-Commons-Lizenzen befasst. In dem Streit ging es um ein Bild aus der Wikipedia, das auf einer Website weiterverwendet wurde. Das Bild stand unter der „CC BY“-Lizenz, die eine Namensnennung als Bedingung vorsieht.

Die Namensnennung und die Lizenzangaben wurden auf der Website nur per Mouse-over-Effekt angezeigt, wenn man mit dem Cursor darauf verweilt. Zwar machen die Creative-Commons-Lizenzen keine starren Vorschriften, wie die Namensnennung jeweils angemessen ist. Mouse-over-Angaben aber seien nicht ausreichend, da sie nicht auf allen Geräten und nur mehr oder weniger zufällig sichtbar werden, so das Gericht. Die Creative-Commons-Lizenzen sehen dann vor, dass sie bei falscher Nutzung erlöschen.

Im Urteil (Aktenzeichen 37 O 8778/14, 17.12.2014) heißt es:

Der Verwender des Lichtbilds kann z.B. den genauen Ort der Urheberbenennung (auf, neben oder unter dem Lichtbild etc.) wählen, nicht jedoch wie vorliegend eine Art der Benennung, die dazu führt, dass der Name des Urhebers und die Lizenz vom Betrachter des streitgegenständlichen Lichtbilds nicht wahrgenommen werden bzw. im Einzelfall sogar nicht wahrgenommen werden können.

Dass Mouse-over-Angaben nicht ausreichend seien, um sie wahrnehmen zu können, hatten Gerichte auch schon in anderen Fällen so gesehen, zum Beispiel bei Fotos von Pixelio, Preisangaben auf Ebay oder auf Google Shopping.

Schadensersatz auch bei Creative Commons

Das Landgericht ist außerdem der Ansicht, dass dem Fotografen auch ein Schadensersatz zusteht:

Die Tatsache, dass das Lichtbild unter Einhaltung von Lizenzbedingungen auch kostenlos genutzt werden konnte, führt nicht dazu, dass dem Lichtbild kein Wert beizumessen wäre. […]

Der Schadensersatz wurde aber nicht – wie sonst häufig – als verdoppelte Lizenzgebühr berechnet (hier angesetzt: 150 Euro), sondern in diesem Fall nur mit einem Aufschlag von 50 Prozent. Zu Recht weist Mantz auch darauf hin, dass das Urteil nicht darauf eingeht, ob Creative-Commons-Lizenzen vor Gericht wirksam sind – das scheint mittlerweile selbstverständlich zu sein.

Für Fotografen bringt das Urteil also mehr Sicherheit, die Lizenzen verwenden zu können, ohne die Kontrolle über ihre Bilder komplett zu verlieren. Für Nachnutzer der Fotos scheint es auch keine große Hürde, Namensnennung und Lizenz mehr als nur versteckt per Mouse-over anzubringen.

Mehr zum Thema Creative-Commons-Lizenzen hat iRights.info in einem Dossier versammelt, unter anderem mit weiteren Tipps und Tools für Website-Betreiber.

Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 2.0 Germany (CC BY-NC 2.0 de).
Der Artikel stammt von der Webseite http://irights.info (iRights info Ur­heber­recht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt). Der Autor des Artikels ist David Pachali.

Bildnutzung im Internet

von (Wi) (checked4you, URL: http://www.checked4you.de/bildnutzung)

Mal eben bei Ebay ein Produktfoto nutzen, ein Logo kopieren oder sein Community-Profil mit Bildern aufpeppen? Vorsicht – wer dabei Urheberrechte verletzt, riskiert teure Strafen!

Besonders bei Bildern im Internet hält sich irgendwie hartnäckig die Auffassung, das alles, was man z. B. bei google images findet, ja eh schon im Netz ist und deshalb auch von allen verwendet werden kann. Der Hinweis von Google “Das Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt” sollte ernst genommen werden: Man kann getrost davon ausgehen, dass so ziemlich alles, was man da bei welcher Suche auch immer angezeigt bekommt, urheberrechtlich geschützt ist. Grundsätzlich sind nur die, die das Bild gemacht haben, berechtigt, es auch zu nutzen, insbesondere: zu veröffentlichen! Und das muss von denen auch nicht erst ausdrücklich erklärt oder irgendwo angemeldet werden, sondern es ist einfach so. Für euch als Bildsuchende ist die Grundregel daher simpel: geht bei fremden Bildern einfach immer davon aus, dass man sie ohne Erlaubnis nicht nutzen darf. Und das bedeutet: rausfinden, von wem das Bild ist, Kontakt aufnehmen und fragen. Und dann die Erlaubnis abwarten.

Macht ihr es nicht so und benutzt einfach ein irgendwo gefundenes Foto auf eurer Homepage, im Community-Fotoalbum oder als Produktbild bei Ebay, riskiert ihr (teure) Abmahnungen und dass man Schadensersatzansprüche an euch stellt. In die Nachrichten kommen ja meist nur die krassen Fälle, die in der Regel mit Musikdownloads in peer-to-peer-Netzwerken zu tun haben. Aber es gibt auch genügend Anwälte, die nur darauf warten, die Inhaber kleiner, privater Internetseiten wegen zu Unrecht verwendeter Bilder abzumahnen!

Legal + umsonst = möglich!

Wollt ihr bei euren Bildern korrekt bleiben, heißt das aber nicht, dass ihr immer für die Nutzung zahlen müsst. Es gibt eine ganze Reihe von Portalen, bei denen man (für nicht-kommerzielle Zwecke) kostenlos auf Nachfrage hin Fotos verwenden kann wie z. B. sxc.hu, rgbstock.com, pixelio.de oder piqs.de. Bei solchen Portalen ist es wichtig, auf die genauen Nutzungsbedingungen zu achten: Wie und wofür können die Bilder verwendet werden? Welche Quellenangaben muss ich machen (meistens: Portal und Fotograf)? Und selbst, wenn man es laut dieser Bedingungen nicht unbedingt muss: Es schadet generell nicht, beim Fotografen noch mal kurz nachzufragen und dessen Antwort vor der Veröffentlichung des Bildes auch abzuwarten. Und das ist vor allem auch: nett!

Stichwort: Creative Commons

Mit relativ wenig Mühe kann man also jede Menge Zeug finden, bei dem sich die Urheber oftmals sogar freuen, dass es jemand verwenden möchte. Da kann das Netz plötzlich ganz legal zu einer richtigen Wundertüte werden. Vielfach sind solche “Geschenke” am “CC”-Zeichen zu erkennen, das für eine “Creative Commons” – Lizenz steht. Auch hier geht es – vereinfacht ausgedrückt – um die Möglichkeit einer kostenlosen Nutzung, bei der nur bestimmte Regeln auf der Grundlage verschiedener Lizenzen eingehalten werden müssen. Mehr Infos dazu findet ihr u. a. hier und hier.

Eigene Bilder geht auch

Schließlich könnt ihr selbst Fotos machen, und in dem Fall seid ihr natürlich auch der Urheber. Aber sogar da kann es Haken geben. Zeigt das Bild z. B. einen anderen Menschen, muss er grundsätzlich vor Veröffentlichung um Erlaubnis gefragt werden, sofern er nicht nur klein in der Landschaft oder in einer Menschenmenge steht. Das leuchtet schnell ein, wenn ihr euch kurz umgekehrt vorstellt, ihr wärt selbst das Motiv und wüsstet nix davon. Ein Phänomen, das besonders häufig in den vielen Fotoalben der unzähligen Community-Profile (Pinterest, Facebook, Instagram usw.) vorkommen düfte. Eventuell solltet ihr eure eigenen Alben daraufhin nochmal checken! Mehr zu Rechtsfragen beim eigenen Profil findet ihr hier.

Für Videos, Musik oder Texte gelten die hier genannten Punkte übrigens genau so. Wer mehr Infos zu diesem eigentlich viel komplexeren Thema sucht, findet sie unter www.irights.info.

Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutsch (CC BY-NC-ND 3.0 de).
Der Artikel stammt von der Webseite http://www.checked4you.de/bildnutzung (checked4you: Das Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen). Ein Autor ist dort nicht angegeben, der Artikel ist aber mit dem Kürzel “(Wi)” unterschrieben und trägt das Datum 07. April 2015.

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