Autor Archiv:Michael Lucan

Abmahn-Falle Creative-Commons-Fotos?

In seinem Textdepot bringt Prof. Dr. Thomas Pleil am 22. Mai 2016 unter anderem die folgende Meldung:

“Vorsicht Abmahn-Falle: In einigen Fällen gab es in letzter Zeit Abmahnungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Creative Commons-Fotos, und zwar wegen formaler Fehler bei der Referenzierung. iRights Info erklärt die Hintergründe und gibt Tipps.”
Untere Seitenhäfte (“In Kürze”) auf: Digitalisierung des Alltags und praktische Helferlein

Es ist eine kleine Nachricht, die – wie das gesamte Textdepot – unter einer Creative Commons Lizenz steht, nämlich unter der CC-Lizenz Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland.

“Formale” Fehler bei der Referenzierung

Was mir bei dieser Meldung ins Auge gesprungen ist, ist die Formulierung “wegen formaler Fehler bei der Referenzierung”. Wegen “formaler” Fehler habe es also in letzter Zeit Abmahnungen im Zusammenhang mit der Verwendung von CC-Fotos gegeben. Wegen “formaler” Fehler bei der Referenzierung.

Formale Fehler, das sind Fehler, die Äußerlichkeiten betreffen und die man, eben weil sie nur formal sind, übersehen kann und auch sollte, wenn es um die inhaltliche Bewertung des Eigentlichen geht. Formale Fehler sind vernachlässigbar.
Aber von solchen “formalen” Fehlern ist in dem Artikel “Vermehrte Abmahnungen bei Creative-Commons-Fotos” auf iRights Info, auf den sich der Professor bezieht, gar nicht die Rede.

Nein, es geht darum, dass zwei namentlich genannte Fotografen nach Ansicht von David Pachali, Autor von “Vermehrte Abmahnungen bei Creative-Commons-Fotos” neben den unverzichtbaren Bedinungen der Creative-Commons-Lizenzen weitere Anforderungen gestellt haben sollen. Weil diese weiteren Bedingungen nicht eingehalten worden seien, sollen die Fotografen gegen Bildnutzer vorgegangen sein.

Dabei hat aber David Pachali selbst ausgeführt, das CC-lizenzierte Inhalte im Prinzip gefahrlos weiterverwendet werden können, “solange Nutzer die Bedingungen der jeweiligen Lizenz einhalten“.
Und er schreibt: “Alle CC-Lizenzen machen zur Bedingung, dass der Urheber genannt wird; der Titel genannt wird, wenn vorhanden; die Lizenz genannt und verlinkt wird.” Das ist absolut zutreffend. Es gibt noch weitere Bedingungen, aber dies sind die wesentlichen.

Diese Bedingungen sind das, was zu dem führt, was Pachali zu Recht den Geist der freien Lizenzen nennt, wenn er schreibt: “Dem Geist der freien Lizenzen folgend, steht für viele Urheber eine möglichst große Verbreitung im Vordergrund”.

Im Vordergrund steht für viele Urheber eine möglichst große Verbreitung

Man kann es gar nicht oft genug sagen: “Im Vordergrund steht für viele Urheber eine möglichst große Verbreitung“. Denn genau das ist der Punkt, um den es vielen Urhebern geht: um die Verbreitung (im Zusammenhang mit der Angabe des eigenen Namens).

Das genau ist der Geist der freien Lizenzen: Dir gefällt ein CC-lizenziertes Bild? Du möchtest es in deinem Projekt verwenden? Gerne.

Es ist ganz einfach: Nimm dir nicht nur das Bild, sondern wirke aktiv an dessen Weiterverbreitung mit, nenne den Urheber und sag, was auf dem Bild drauf ist. Dann hast du keinen Stress und keine Kosten.

Alexander Dobrindt

Original-Screenshot (hier bearbeitet)

Ein Beispiel (bereits hier erstmals erwähnt, vgl. Bild hier rechts), wie man es besser nicht machen sollte:

Das Bild, von einem “Hobby-“Schriftsteller namens Bernd P. zur Bebilderung einer seiner fiktionalen Texte eingesetzt, war ohne jeden Hinweis auf die Lizenzierung und ohne Angabe meines Namens von ihm verwendet worden. Und aus dem Impressum der Webseite ergab sich, dass man es weder downladen noch kopieren dürfe, ohne eine schriftliche Genehmigung des Seitenbetreibers zu haben. Bilder von Dritten seien außerdem gekennzeichnet. Und für alles wurde ein eigenes Copyright reklamiert.

Sind das “formale” Fehler? Sind dies “nur” unvollständige oder keine Angaben entsprechend den Creative-Commons-Lizenzen, wie es David Pachali ausdrückt? Hier war es klar, schon aufgrund der ersten, pampigen Antwort des Bernd P., wie ich bereits in dem Artikel “AG Bochum: MFM-Tarife angemessen” geschrieben habe: Bernd P. kannte die Lizenzbedingungen genau, sie interessierten ihn aber erst, nachdem ich mich beschwert hatte. Er hatte keinen “formalen” Fehler begangen, er hatte die Lizenzbedingungen bewusst ignoriert.

Er hat damit gegen die wesentlichen Bedingungen der CC-Lizenzierung und gegen ihren Geist verstoßen:

  • Weiterverbreitung?
    Nein, es ist keine CC-Lizenzierung angegeben, sondern ein © des Seitenbetreibers (im Screenshot oben nicht erkennbar), vor einem Downladen oder Kopieren muss man schriftlich dort anfragen

  • Urheber genannt?
    Nein, laut Impressum sind alle Bilder vom Seitenbetreiber (außer entsprechend gekennzeichneten Bildern), also auch meines
  • Titel genannt?
    Nein, nicht einmal das wurde tatsächlich korrekt vorgenommen

Nochmal: “Formale” Fehler bei der Referenzierung?

Es geht nicht um “formale” Fehler. Und es geht nicht einmal um eine “Referenzierung”. Hier irrt Prof. Dr. Pleil in seiner Meldung. Es geht darum, dass eine Verwendung von CC-lizenzierten Bildern durch eine korrekte Kennzeichnung, die u.a. die Lizenz nennt und deren Bedinungen bekannt macht, überhaupt erst zulässig wird[1].

Es geht nicht um eine Referenzierung im Sinne einer Quellenangabe für ein Bild, das man (angeblich ohnehin) “kostenlos” verwenden darf, wenn gewisse “formale” Dinge eingehalten werden. Es geht eben genau um den Geist der CC-Lizenzen. Und es ist die Lizenz selbst, die das eindeutig sagt:

“Diese Lizenz und die durch sie eingeräumten Nutzungsrechte erlöschen mit Wirkung für die Zukunft im Falle eines Verstoßes gegen die Lizenzbedingungen durch Sie, ohne dass es dazu der Kenntnis des Lizenzgebers vom Verstoß oder einer weiteren Handlung einer der Vertragsparteien bedarf.”
Zitiert nach Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland

Was die Lizenz an anderer Stelle und unter Bezug auf das deutsche Urheberrecht ein “unentgeltlich eingeräumtes einfaches Nutzungsrecht für jedermann” nennt, gibt es dann nicht, es wird gerade nicht eingeräumt. Und das Wort “kostenlos” kommt im gesamten Lizenztext überhaupt nicht vor.

Das Geschäftsmodell von Bernd P. und vielen anderen, sich für die eigene Webseite “kostenloses” Bildmaterial zu holen, um damit die eigene Webseite aufzuwerten, ja oftmals für sich durch Dritte bei Facebook auch noch (hier stimmt es:) kostenlos werben zu lassen, ohne sich für den Geist der freien Lizenzierung darüber hinaus noch zu interessieren, kann auf die Dauer nicht gut gehen.

Auch wenn Lobbyisten (wie auf https://irights.info und vielen anderen Seiten im Netz) versuchen, Urheber als “Abmahner” zu brandmarken: sie, die Urheber, fordern nur die ihnen zustehende Kompensation für eine erhaltene und genutzte Leistung ein. Ob sie das mit Augenmaß tun, wie ich es für mich reklamiere, oder ob sie es ihrerseits zu einem “Geschäftsmodell” machen … darüber kann man diskutieren. Nur eines ist auch klar: Wer sich an den Geist der freien Lizenzierung hält, der hat nichts zu befürchten[2]. Wer das tut, verdient dafür ein Dankeschön. Und ich bin der erste, der sich für eine – lizenzkonforme – Nutzung bedankt, selbst wenn dabei formale Fehler gemacht werden sollten.


  1. Denn: nur wenn die Lizenzierung und deren Bedinungen mitgeteilt und bekannt gemacht werden, ist eine Weiterverbreitung möglich. Wird die Lizenzierung verheimlicht, werden deren Bedingungen nicht mitgeteilt und bekannt gemacht, dann wird die Weiterverbreitung des Werks aktiv behindert. Die freie Lizenzierung wird verschwiegen. Man nutzt das Bild für sich selbst und seine Zwecke, und zwar nur und ausschließlich für sich selbst und seine Zwecke. Dies gilt natürlich ganz besonders, wenn der Lizenz widersprechende Kopier- und/oder Download-Vorbehalte gemacht werden.
    Das hat weder mit dem Geist noch den Buchstaben einer freien CC-Lizenzierung etwas zu tun; es ist und bleibt Bilderklau.
  2. Verbindlich ist immer nur der jeweilige Vertragstext der Lizenz. Urheber dürfen keine Einschränkungen (z.B. durch ergänzende Bedingungen) vornehmen.

AG Bochum: MFM-Tarife angemessen

Wenn netter Brief und Abmahnung nicht helfen … hilft das Amtsgericht Bochum“, so schreibt Dirk Vorderstraße in seinem Fotoblog. Mehr dazu im Originalartikel vom 3. November 2015 auf https://www.vorderstrasse.de, wo sich noch mehr Lesenswertes findet.
Dirk Vorderstraße präsentiert dort ein Urteil des AG Bochum, dass ihm für eine Bildverwendung Schadenersatz in Höhe von EUR 676,00 (zzgl. Zinsen und Erstattung der Gerichtskosten) zuspricht. Zugleich wird im Urteil die Weiterverwendung des Bildes untersagt und für einen Verstoß dagegen ein Ordnungsgeld angedroht.

Foto: Feuerwerk Kurparkfest 2009 Hamm, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0

Was war passiert? Dirk Vorderstraße berichtet über eine nicht lizenzgerechte Verwendung des hier rechts abgebildeten Fotos “Feuerwerk Kurparkfest 2009 Hamm”. Es handelt sich um ein Foto unter einer Creative-Commons-Lizenz, dass auf der Webseite eines Reitstalls ohne Einhaltung von CC-Lizenzbedingungen verwendet worden war.
Statt nun gleich abzumahnen, hatte er versucht, sich mit dem Reitstall zu einigen und diesem ein Lizenzangebot gemacht. Offenbar mit einer recht geringen Geldforderung; er beschreibt dies in einem Artikel vom 4. Juni 2015, ich erspare mir daher hier die Details.

Nur soviel: Der Reitstall bzw. dessen Betreiber reagierte nicht. Überhaupt nicht. Nicht einmal auf seine Klage und so hat er vor dem AG Bochum gewonnen. Es ist “nur” ein Versäumnisurteil und in dem Urteil steht kein Wort von Creative-Commons, aber es ist doch erfreulich.

Mir kommt das alles sehr bekannt vor, denn auch ich muss mich immer mal wieder mit Urheberrechtsverletzungen auseinandersetzen, die durch unberechtigte Nutzungen von CC-lizenzierten Bildern entstehen. Je nach Einschätzung reagiere ich mit der Bitte, die Lizenzbedingungen nachträglich einzuhalten, mit einem Lizenzangebot (in realistischer, nicht überzogener Höhe) oder mit einer Abmahnung.

Eine Abmahnung, das lernen wir bei Wikipedia, “ist die formale Aufforderung einer Person an eine andere Person, eine bestimmte Handlung oder ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen.” Es ist also per se nichts Böses an so einer Abmahnung. Im Gegenteil, mit so einer Abmahnung soll ja eine gerichtliche Auseinandersetzung, die Zeit und Kosten verursachen würde, vermieden werden.

Alexander Dobrindt

Original-Screenshot aus der abgemahnten Bildverwendung (hier bearbeitet)

Und auch das AG Bochum habe ich schon einmal angerufen. Wegen der hier rechts abgebildeten Fotografie. Auch mir hat das AG Bochum “geholfen”. Mit einem Urteil, in dem das Gericht nicht nur meinen Schadenersatzanspruch in der geltend gemachten Höhe bestätigt, sondern auch ausdrücklich erklärt:

Den Endbetrag von 450,00 Euro hält auch das Gericht für angemessen.”

Und zwar, nachdem das Gericht die Berechnung der Höhe des Schadenersatzanspruchs für drei Monate nach den Tarifen der Mittelstandgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) noch einmal nachvollzogen hat.

Urteil (Sreenshot)

Nachzulesen ist das hier: Urteil des AG Bochum vom 1.12.2015, Az. 83 C 175/15

Die Parallelen zwischen dieser Entscheidung und der oben erwähnten Entscheidung wegen des Feuerwerk-Bildes sind schnell genannt: auch hier handelt es sich um eine Abmahnung und einen Gang zum Gericht ohne Anwalt. Und auch ich hatte zunächst ein preiswertes Lizenzangebot (inkl. Weiternutzung für einige weitere Monate) gemacht. Ich darf mal den Betrag nennen: EUR 122,00 zzgl. 7 § USt. Für mehrere Bildgrößen (großes Bild nach dem Anklicken), ohne die Verpflichtung, meinen Namen zu nennen und den Werktitel anzugeben sowie sonstige Lizenzbedingungen einzuhalten (auf einer Webseite mit eigenwilligen, possesiven Bestimmungen im Impressum).
Also eine Lizenzangebot genau der Nutzung entsprechend, für die Bernd P., der Autor des Artikels mit meinem Bild, sich entschieden hatte, und die er auf dieses Weise hätte weiterführen können.

Im Übrigen hätte es durchaus Anlass gegeben, hier sofort abzumahnen: Zunächst war im Impressum kein für den Inhalt explizit Verantwortlicher genannt. Weiter wurde die Weiterverwendung auch meines Bildes von der schriftlichen Erlaubnis des Seitenbetreibers abhängig gemacht. Name und Wohnort des Artikelautors (und Bildverwenders) waren immerhin angegeben. Die Adresse dazu lieferte dann die zuständige Einwohnermelde-Behörde, so dass ich nach kurzer Zeit – nachdem ich bereits Zeit und Geld investiert hatte – wusste, an wen ich mich zu halten hatte: Bernd P.

Die Antwort auf mein Schreiben ließ nicht lange auf sich warten. Ich wurde belehrt, mein Bild sei “frei zugänglich”. Und es stellte sich heraus, dass Bernd P. die Lizenzbedingungen durchaus kannte. Er hatte sie offensichtlich bewusst ignoriert, rieb sie mir aber nun mit Genuss unter die Nase. Und er behauptete, er habe meinen Namen als Urheber genannt. In einem MouseOver-Tag.
Eigenartig, dass ich das nicht bemerkt hatte. Als ich Tage vorher selbst mit der Maus über das Bild gefahren war (und neben Screenshots natürlich auch den Sourcecode der Seite gespeichert hatte), war der MouseOver-Text noch mit der Bildunterschrift identisch gewesen. Bernd P. versuchte also, zu tricksen und mich in die Irre zu führen: Er bat mich, meine Forderung an “Wikimedia Commons” zu richten.

Natürlich folgte die Abmahnung unverzüglich, mit Aufforderung zur Unterlassung und zur Abgabe einer Unterlassungserklärung und mit einer Schadenersatzforderung, wie sie später das Gericht als angemessen erkannt hat. Und immer noch mit dem Angebot einer außergerichtlichen Einigung bei etwa 2/3 des geforderten Betrages.

Ich war an den Falschen geraten: nun entfernte Bernd P. mein Bild und beschwerte sich über mein “Geschäftsgebahren”, drohte gar, Wikimedia Commons darüber in Kenntnis zu setzen. Unnötig zu sagen, dass er eine Unterlassungserklärung abzugeben sich weigerte und nicht zahlte. “Abzocken” nennt man so was wohl.

Und so formulierte ich bei nächster Gelegenheit ein Klage, zunächst nur bezüglich des Schadenersatzes (tatsächlich erhielt ich später eine Unterlassungserklärung, so dass wenigstens hier keine Klage mehr notwendig wurde), mit der ich mich an das AG Bochum wandte, dass aufgrund einer Verordnung des NRW-Justizministers örtlich zuständig war. Da Bernd P. als “Hobbyschriftsteller” auftrat (allerdings: mit einigen seine Artikel bewarb er auch direkt seine Bücher) wollte ich mir Diskussionen über den “fliegenden Gerichtsstand”, also eine Zuständigkeit z.B. des AG München, von vornherein ersparen.

Bernd P. hat dem Gericht insgesamt 2 Stellungnahmen zugeleitet, mit denen er das Gericht aber nicht von seiner Auffassung überzeugen konnte. Das Gericht hat sich von meiner Argumentation überzeugen lassen. Und die umfasste besonders eine Begründung, warum die MFM-Tarife hier anzuwenden sind. Warum dies trotz deutlich preiswertem Lizenzangebot und einem immer noch günstigerem außergerichtlichen Einigungsangebot (zugleich mit der Abmahnung) angemessen und gerechtfertigt ist. Dies ist wichtig und nach meiner Einschätzung liegt es an unzureichenden Begründungen und Darlegungen zu dieser Frage, dass viele Gerichte sich nicht bereitfinden, so zu entscheiden, sondern im Gegenteil von der Heranziehung der MFM-Tarife nicht überzeugt sind. Abgesehen davon, dass dies – MFM nicht anzuwenden – natürlich auch eine politische Entscheidung sein kann.

Das Gericht hat in diesem Fall die MFM ohne Abschlag bei einem Creative-Commons-lizenzierten Bild als angemessen angesehen und einen entsprechenden Betrag ausgeurteilt. Ich gehe davon aus, dass dies – neben der konkreten Begründung in der Klageschrift – sicher auch an meiner konkreten Aufstellung liegt und an der Klarheit, mit der ich bei Wikimedia Commons kommuniziere (hier z.B. bzgl. des Dobrindt-Bildes), dass ich sehr viel Wert darauf lege, dass meine Bilder nur unter Beachtung der vergebenen Lizenz­be­dingungen weiter verwendet werden. Wenn das geschieht, freue ich mich, und unterstütze das nach Kräften.

Bei Bernd P. konnte ich nicht umhin, die Nutzung meines Bildes zu unterbinden und die fast dreimonatige Verwendung meiner Leistung zum eigenen Ruhme durch ihn mir finanziell entgelten zu lassen.

Bernd P. gegenüber habe ich außerdem meine Rechte aus § 145 BGB wahrgenommen: er gehört nicht mehr zu dem Personenkreis, dem ich Bilder unter freien Lizenzen zur Nutzung anbiete. Er darf keine meiner CC-lizenzierten Fotos mehr verwenden.

Was ist Creative Commons?

“Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für Urheber zur Freigabe rechtlich geschützter Inhalte anbietet.”

So steht es auf der Webseite von Creative Commons Deutschland. Geleitet wird Creative Commons Deutschland von zwei Leitungsorganen, dem “Legal Project Lead” (bearbeitet juristische Fragen und betreut den Bereich Lizenzportierung) und dem “Public Project Lead” (zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Community-Building). Das “Public Project Lead” wird übrigens von Markus Beckedahl repräsentiert. Der hatte schon im Jahr 2002 das Blog netzpolitik.org gegründet und im Sommer(loch) 2015 eine gewisse Berühmtheit erlangt, als gegen ihn und und Andre Meister (netzpolitik.org-Blogger) wegen Landes­ver­rats ermittelt wurde. Zwei Dokumente des Verfassungsschutzes waren auf netzpolitik.org veröffentlicht worden. Das Problem dabei: sie waren vom Verfassungsschutz als “ver­trau­lich” eingestuft worden (“Nur für den Dienstgebrauch”). Mehr Info hier. Doch das gehört nicht hierher.

Creative Commons Lizenzverträge: Hilfestellung für Urheber

Dieses Blog http://creative-commons.lucan.de (übrigens neuerdings mit an­ge­schloss­en­em Forum) beschäftigt sich mit den oben erwähnten “vorgefertigten Lizenzverträgen” von Creative Commons. Diese Lizenzverträge sollen “eine Hilfestellung für Urheber zur Freigabe rechtlich geschützter Inhalte” sein.
Konkret bietet CC sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge an, die bei der Verbreitung kreativer Inhalte genutzt werden können, um die rechtlichen Bedingungen festzulegen.

Die Non-Profit-Organisation erklärt – alle Zitate stammen übrigens von dort – auf ihrer Webseite weiter: “Die CC-Lizenzverträge werden also von den Urhebern übernommen und in eigener Ver­ant­wort­ung verwendet – um gegenüber jedermann klarzustellen, was mit den Inhalten ihrer Webseiten geschehen darf und was nicht (darum werden solche an die All­ge­meinheit gerichteten Standardlizenzen auch “Jedermannlizenzen” genannt). Durch CC-Lizenz­en geben die Inhaber von Urheber- und Leistungsschutzrechten allen Interessierten zusätzliche Frei­heiten. Das bedeutet, dass jeder mit einem CC-lizenzierten Inhalt mehr machen darf als das Urheberrechtsgesetz ohnehin schon erlaubt. Welche Freiheiten genau zusätzlich geboten werden, hängt davon ab, welcher der sechs CC-Lizenzverträge jeweils zum Einsatz kommt.

Für eine genauere Erklärung der Freiheiten, die diese “Jedermannlizenzen” geben und wie man sie selbst für die Lizenzierung eigener Werke nutzen kann, wie man aber auch ent­sprechend lizenzierte Werke verwenden darf, überlasse ich den geneigten Leser heute gern der hier noch einmal genannten Webseite http://de.creativecommons.org, auf der dies alles so beschrieben ist, dass man keineswegs Jura studiert haben muss, um die dahinter liegende Philosophie wie auch die konkreten Lizenzbedingungen zu verstehen.
Weitere interessante Erläuterungen zu Aufbau und Sinn der Lizenzen, auch zu den beabsichtigen Auswirkungen entsprechender Lizenzierungen, erläutert die Creative Commons Corporation (US) selbst (in deutscher Sprache) hier: “Mehr über die Lizenzen”.

Soviel will ich aber doch erwähnen: Es existieren also insgesamt sechs unterschiedliche CC-Lizenzverträge mit jeweils anderer Kombination von Freiheiten be­züg­lich der Ver­wendung des li­zenzierten Werks und mit jeweils unterschiedlichen Lizenz­bedingungen. Neben den englischsprachigen Originalen gibt es diese sechs Lizenzverträge auch in dem deutsch­en Rechtsraum angepassten Fassungen. Deren aktuelleste Fassung ist die Version 3.0. Bereits Ende 2013 ist eine überarbeitete Version 4.0 dieser sechs Lizenzen erschienen, es gibt sie aber noch nicht in einer deutschen Übersetzung oder gar in einer dem deutschen Rechtsraum angepassten Fassung.

Jedermann-Lizenz

Ich möchte hier nur festhalten, dass Creative Commons selbst die Lizenzen als Lizenz­verträge und außerdem als Jedermann-Lizenzen bezeichnet (wenn auch in anderer Schreibweise 😉 ).

Was nun aber eine Jedermann-Lizenz ist, und was das – nach meiner Einschätzung – konkret mit Bezug auf die Creative-Commons-Lizenzverträge bedeutet, darüber schreibe ich in meinem nächsten eigenen Posting bei nächster Gelegenheit hier.

Creative Commons License

Ausgezeichnete Textbestandteile sind Zitate von der Webseite
http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/ (Stand: 1.09.2015). Dort findet sich keine Autorenangabe, als Autor ist demnach wohl Creative Commons Deutschland anzusehen.
Diese Zitate stehen – wie auch der gesamte Text dieser Seite – unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 de.

Radio Dreyeckland: Lizenzbedingungen nachträglich eingehalten – Dankesehr

Radio Dreyeckland ist ein freies und nichtkommerzielle Radio in Freiburg. In einem Beitrag “Depression, die heimliche Volkskrankheit!” in der Sendung “Morgenradio” wird aus Anlass des Todes von Andreas Biermann über Depression gesprochen.

Depression, die heimliche Volkskrankheit!
Länge: 17:28 min
Sendereihe: Morgenradio
Sendedatum: Donnerstag, 31. Juli 2014 – 8:10
Themen: Selbstorganisation
Region: Dreyeckland und Region, Freiburg, Deutschland
Tags: Depression, Fussball, Sport
Audio direkt eingebunden von https://rdl.de

Auf der Webseite des Radiosenders wurde ein entsprechender Artikel mit Audio-File (mp3) veröffentlicht, und darauf mein Foto von Andreas Biermann (URL https://rdl.de/beitrag/depression-die-heimliche-volkskrankheit).
Leider ohne auch nur im Ansatz die Lizenzbedingungen einzuhalten. Gefährliche Sache für einen alternativen Radiosender mit spärlichen Finanzen.

Andreas Biermann (Bildnutzung vorher)

Screenshot 13. September 2014

Selbst nach einem Brief mit der Bitte, doch bei der Verwendung des Bildes die Lizenzbedingungen einzuhalten, wurde das zunächst nur ansatzweise korrigert. Es bedurfte weiterer Kontakte per E-Mail, bis am Ende eine wirklich korrekte Kennzeichnung angebracht wurde.

Andreas Biermann (Bildnutzung nachher)

Screenshot 5. November 2014

So ist das nun okay. Und der Sender hat sich bedankt und mitgeteilt, dass alle MitarbeiterInnen (“die ganze Redaktion”) auf die Problematik hingewiesen worden seien. Der Sender sei bei schwacher Finanzlage darauf angewiesen, Creative-Commons-Material zu verwenden.

Sich aber gerade dann, also bei schwacher Finanzlage, Bilder einfach von Wikipedia (so stand es ja dort “Quelle: Wikipedia”) herunterzuladen, und die dann ohne jede Auseinandersetzung mit Bildrechten zu verwenden …, das ist doch sehr leichtsinnig.
“Bilder von Wikipedia kann man kostenlos benutzen” ist ein Irrglaube, der nur mit völliger Ignoranz zu erklären ist, wird doch auf jeder (!) Wikipedia-Seite auf die für Bilder geltenden besonderen Bedingungen hingewiesen und auf die Nutzungsbedingungen von Wikipedia, die deutlich auf die Notwendigkeit hinweisen, dass Lizenzbedingungen eingehalten werden müssen.
Ein solcher Leichtsinn kann existenzgefährdend sein.

Ich freue mich aber, dass Radio Dreyeckland meiner Bitte, die Lizenzbedingungen einzuhalten nachgekommen ist und eine Abmahnung nicht notwendig war. So haben wir beide was davon, und das ist der Sinn der freien Lizenzierung unter einer Creative-Commons-Lizenz.
Dazu gehört es allerdings nicht, dass ein Bildautor einem Bildnutzer hinterher laufen muss, um eine korrekte Nutzung zu erreichen. Das kann nur eine Ausnahme sein.

Amt 2.0

Heute mal ein kurzer Beitrag: Schon vor ein paar Wochen habe ich das Blog http://amtzweinull.com von Christiane Germann gefunden.

Der komplette Titel der Seite lautet:

Screenshot-Ausschnitt von http://amtzweinull.com

Ich bin darauf gestoßen, weil Christiane Germann auch über das Posten von Bildern in Sozialen Netzwerken schreibt und davor ganz deutlich warnt. Auf der Seite http://amtzweinull.com/2014/06/14/urheberrecht schreibt sie am 14. Juni 2014 unter anderem über “das Problem, dass von Creative Commons die Unterlizensierung an soziale Netzwerke (…) nicht abgedeckt ist. Erlaubt wird nämlich höchstens eine ‘Weitergabe (von Nutzungsrechten) zu gleichen Bedingungen’, aber keine derart umfangreiche Einräumung von Rechten, wie sie beispielsweise Facebook bei Upload eines Fotos automatisch erwirbt. Der Fotograf kann an dieser Einschränkung nichts ändern, da sie standardmäßig in allen CC-Lizenzen (außer CC0) enthalten ist“.

Und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob die Nutzungsbedingungen von Facebook auch tatsächlich wirksam oder zulässig sind oder nicht. Aber unabhängig davon ist jedenfalls ist ein solches Teilen wie im folgenden Beispiel keinesfalls zulässig:

Willkürliches Facebook-Teilen-Beispiel

15.09.2014: Willkürliches Facebook-Teilen-Beispiel

Die Webseite www.webnews.de lockt z.B. auf Audiovorschau: Ich trag Dich bis ans Ende der Welt nichtsahnende Seitenbesucher in eine Falle. Wer auf “Link teilen” klickt, holt sich mein Bild von Elmar Wepper auf die eigene Facebook-Seite. Das Bild hat weder auf webnews.de etwas zu suchen, noch auf irgendwelchen Facebook-Seiten als Werbung für webnews.de. Die Ursache dafür hat freilich der User “Newsman” gesetzt, der das Bild samt Text seinerseits zur Werbung für sich und seine Seite dort eingestellt hat. Aber Webnews macht es sich ganz fröhlich zu eigen und lässt Elmar Wepper für sich werben.

Ich persönlich könnte damit dann leben, wenn im Text neben dem Bild automatisch mein Name und die Lizenzinfos inkl. Link mitgegeben würden. Das geht, es wird auf https://developers.facebook.com/docs/plugins durchaus verstehbar beschrieben, wie der übergebene Inhalt definiert wird. Und mit ein bißchen Recherche findet man auch deutschsprachige Anleitungen. Es ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.

Ich bin auch ganz dankbar für die knappe und leicht verständliche Erläuterung des Prinzips der Creative-Commons-Lizenzen, die sich auf derselben Seite von Amt 2.0 zum Urheberecht findet:

Bei Creative Commons gibt es umfangreiche Kennzeichnungspflichten. Ver­öf­fent­licht man ein solches Bild, müssen in unmittelbarer Nähe des Bildes der Ur­he­ber/Fotograf, der Bildtitel (falls vorhanden) und die Art der CC-Lizenz genannt werden. Zusätzlich muss sowohl auf die Lizenz, als auch auf die Originalquelle des Bildes verlinkt werden. Für den Fotografen ist dies eine Art ‘Entlohnung’, da er namentlich genannt wird und durch die Verlinkung sein Google-Ranking und/oder der Traffic auf seine Website steigt.

Das ist sehr schön und knapp zusammengefasst. Und auch die Erläuterung, was die Bedingungen der Lizenzierung unter einer der Creative-Commons-Lizenzen eigentlich sollen, ist klar. Warum gibt es diese Bedingungen? Sie stellen für den Urheber/den Fotografen eine Art Entlohnung sicher. Darum geht es, und das ist es, was man geben muss, wenn man sich Creativ-Commons-lizenzierte Fotos nehmen möchte: Die Anerkennung der Autorenschaft und die Mitteilung der Lizenz und Ihrer Bedingungen. Wer das ignoriert, der ignoriert den Fotografen und nutzt dessen Leistung einfach nur aus. Das ist nicht ok, und darum schreibe ich – soweit mir meine Zeit das erlaubt – hier auf http://bilderklau.lucan.de.

So eine Entlohnung für das Einstellen CC-lizenzierter Bilder, die ja letzten Endes nichts anderes ist als eine Online-Reputation, ist übrigens etwas sehr Wertvolles. Und da ist es kein Wunder, wenn Fotografen, die das so sehen, die Verweigerung dieser Entlohnung als Bilderkau ansehen. Das tue nicht nur ich, das tun viele. Und die Lizenztexte selbst sehen das auch so. Sie gelten nicht, wenn man die Lizenzbedingungen nicht einhält, und man fällt auf das gewöhnliche Recht, wie es im Gesetz steht, zurück. Mit allen Konsequenzen.

Mag es sein, dass es Fotografen gibt, die Ihre Bilder tatsächlich “kostenlos” zur Verfügung stellen wollen und die Einhaltung der Lizenzbedingungen als Entlohnung nicht weiter wichtig nehmen. Warum die dann nicht die Lizenz CC0 verwenden, ist mir allerdings schleierhaft.

Charlotte

Kuh auf einer Wiese in Oberbayern

Die Kuh Charlotte, fotografiert vom Harald

Das ist eine Kuh, sie heißt Charlotte. Das Foto ist schon 10 Jahre alt, und die Charlotte lebt bestimmt nicht mehr, leider.

Das Foto von Charlotte hat der Harald gemacht. Der Harald ist damals im Jahr 2004 in Oberbayern spazieren gegangen und hat Charlotte gesehen, wie sie es sich auf einer Wiese gemütlich gemacht hat. Da hat er das Foto gemacht[1]. So kann er sich bis heute an Charlotte erinnern. Und an den schönen Sommertag in Oberbayern.

Und weil der Harald sein Foto von Charlotte so schön fand, hat er es auf eine Webseite von Wikipedia (oder genauer gesagt: Wikimedia Commons) getan. Und er hat auch erlaubt, dass das Foto jeder benutzen darf. So wie zum Beispiel hier auf der Schweizer Webseite http://naturschutz.ch:

Screenshot vom 13.09.2014

Charlotte auf der Webseite von naturschutz.ch
http://naturschutz.ch/news/schweizer-tierhaltung-wird-uberschatzt/70321

Darüber freut sich der Harald, denn am Ende von dem Artikel steht auch noch ein Hinweis auf den Harald:

Hinweis auf den Harald

Und so weiß jeder, dass der Harald das Foto gemacht hat, und auch, dass jeder das Foto benutzen darf. Und was man tun muss, damit man das darf. Das kann man nämlich alles genau lesen, wenn man auf diese komischen grünen Buchstaben klickt, die da in so eckigen Klammern angegeben sind (“CC-BY-SA-3.0″).

Und wenn man das alles so hinschreibt, so wie die Daniela auf der Schweizer Webseite, dann muss man für das Foto auch kein Geld bezahlen. Und Ihr wisst jetzt auch, wie der Harald noch weiter heißt, nämlich Bischoff: Harald Bischoff.

Harald Bischoff
© pixeldost - Foto: Michael Lucan
Mehr über den Harald könnt Ihr beim Mediendiest Kress (Kressköpfe) erfahren.

Der Harald hat in seinem Leben schon ganz viele Sachen gemacht, und heute lebt er auch davon, dass er Fotos macht und die verkauft. An Zeitungen und so weiter. Aber für das Foto von der Kuh, dafür wollte er kein Geld, sondern er wollte es verschenken. Nicht wirklich verschenken natürlich, denn wenn man das Foto selber verwenden will, dann muss man ja seinen Namen und diese Sache mit dem CC-BY-SA-3.0 immer dazu schreiben. Das nennt man einen Lizenzvertrag.

Das ist so ganz praktisch, weil: Da kann man das Foto nehmen und muss den Harald nicht nochmal extra um Erlaubnis bitten. Und auch kein Geld bezahlen. Und das freut auch die Leute wie die Daniela von http://naturschutz.ch, weil sie dann das schöne Foto von der Charlotte für Ihren Artikel einfach so nehmen können.

Und wenn Charlotte das noch erlebt hätte, würde sie sich sicher auch freuen, dass sie dadurch sogar in der Schweiz ein bisschen berühmt geworden ist.


  1. Kühe auf einer Weide in Oberbayern (Ausschnitt) von Harald Bischoff, Lizenz: Creative-Commons-Lizenz “Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert”.
    Die Lebendohrmarkennummer in den Ohrmarken wurde für die Verwendung des Bildes auf dieser Webseite wegretuschiert.

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