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Abmahn-Falle Creative-Commons-Fotos?

In seinem Textdepot bringt Prof. Dr. Thomas Pleil am 22. Mai 2016 unter anderem die folgende Meldung:

“Vorsicht Abmahn-Falle: In einigen Fällen gab es in letzter Zeit Abmahnungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Creative Commons-Fotos, und zwar wegen formaler Fehler bei der Referenzierung. iRights Info erklärt die Hintergründe und gibt Tipps.”
Untere Seitenhäfte (“In Kürze”) auf: Digitalisierung des Alltags und praktische Helferlein

Es ist eine kleine Nachricht, die – wie das gesamte Textdepot – unter einer Creative Commons Lizenz steht, nämlich unter der CC-Lizenz Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland.

“Formale” Fehler bei der Referenzierung

Was mir bei dieser Meldung ins Auge gesprungen ist, ist die Formulierung “wegen formaler Fehler bei der Referenzierung”. Wegen “formaler” Fehler habe es also in letzter Zeit Abmahnungen im Zusammenhang mit der Verwendung von CC-Fotos gegeben. Wegen “formaler” Fehler bei der Referenzierung.

Formale Fehler, das sind Fehler, die Äußerlichkeiten betreffen und die man, eben weil sie nur formal sind, übersehen kann und auch sollte, wenn es um die inhaltliche Bewertung des Eigentlichen geht. Formale Fehler sind vernachlässigbar.
Aber von solchen “formalen” Fehlern ist in dem Artikel “Vermehrte Abmahnungen bei Creative-Commons-Fotos” auf iRights Info, auf den sich der Professor bezieht, gar nicht die Rede.

Nein, es geht darum, dass zwei namentlich genannte Fotografen nach Ansicht von David Pachali, Autor von “Vermehrte Abmahnungen bei Creative-Commons-Fotos” neben den unverzichtbaren Bedinungen der Creative-Commons-Lizenzen weitere Anforderungen gestellt haben sollen. Weil diese weiteren Bedingungen nicht eingehalten worden seien, sollen die Fotografen gegen Bildnutzer vorgegangen sein.

Dabei hat aber David Pachali selbst ausgeführt, das CC-lizenzierte Inhalte im Prinzip gefahrlos weiterverwendet werden können, “solange Nutzer die Bedingungen der jeweiligen Lizenz einhalten“.
Und er schreibt: “Alle CC-Lizenzen machen zur Bedingung, dass der Urheber genannt wird; der Titel genannt wird, wenn vorhanden; die Lizenz genannt und verlinkt wird.” Das ist absolut zutreffend. Es gibt noch weitere Bedingungen, aber dies sind die wesentlichen.

Diese Bedingungen sind das, was zu dem führt, was Pachali zu Recht den Geist der freien Lizenzen nennt, wenn er schreibt: “Dem Geist der freien Lizenzen folgend, steht für viele Urheber eine möglichst große Verbreitung im Vordergrund”.

Im Vordergrund steht für viele Urheber eine möglichst große Verbreitung

Man kann es gar nicht oft genug sagen: “Im Vordergrund steht für viele Urheber eine möglichst große Verbreitung“. Denn genau das ist der Punkt, um den es vielen Urhebern geht: um die Verbreitung (im Zusammenhang mit der Angabe des eigenen Namens).

Das genau ist der Geist der freien Lizenzen: Dir gefällt ein CC-lizenziertes Bild? Du möchtest es in deinem Projekt verwenden? Gerne.

Es ist ganz einfach: Nimm dir nicht nur das Bild, sondern wirke aktiv an dessen Weiterverbreitung mit, nenne den Urheber und sag, was auf dem Bild drauf ist. Dann hast du keinen Stress und keine Kosten.

Alexander Dobrindt

Original-Screenshot (hier bearbeitet)

Ein Beispiel (bereits hier erstmals erwähnt, vgl. Bild hier rechts), wie man es besser nicht machen sollte:

Das Bild, von einem “Hobby-“Schriftsteller namens Bernd P. zur Bebilderung einer seiner fiktionalen Texte eingesetzt, war ohne jeden Hinweis auf die Lizenzierung und ohne Angabe meines Namens von ihm verwendet worden. Und aus dem Impressum der Webseite ergab sich, dass man es weder downladen noch kopieren dürfe, ohne eine schriftliche Genehmigung des Seitenbetreibers zu haben. Bilder von Dritten seien außerdem gekennzeichnet. Und für alles wurde ein eigenes Copyright reklamiert.

Sind das “formale” Fehler? Sind dies “nur” unvollständige oder keine Angaben entsprechend den Creative-Commons-Lizenzen, wie es David Pachali ausdrückt? Hier war es klar, schon aufgrund der ersten, pampigen Antwort des Bernd P., wie ich bereits in dem Artikel “AG Bochum: MFM-Tarife angemessen” geschrieben habe: Bernd P. kannte die Lizenzbedingungen genau, sie interessierten ihn aber erst, nachdem ich mich beschwert hatte. Er hatte keinen “formalen” Fehler begangen, er hatte die Lizenzbedingungen bewusst ignoriert.

Er hat damit gegen die wesentlichen Bedingungen der CC-Lizenzierung und gegen ihren Geist verstoßen:

  • Weiterverbreitung?
    Nein, es ist keine CC-Lizenzierung angegeben, sondern ein © des Seitenbetreibers (im Screenshot oben nicht erkennbar), vor einem Downladen oder Kopieren muss man schriftlich dort anfragen

  • Urheber genannt?
    Nein, laut Impressum sind alle Bilder vom Seitenbetreiber (außer entsprechend gekennzeichneten Bildern), also auch meines
  • Titel genannt?
    Nein, nicht einmal das wurde tatsächlich korrekt vorgenommen

Nochmal: “Formale” Fehler bei der Referenzierung?

Es geht nicht um “formale” Fehler. Und es geht nicht einmal um eine “Referenzierung”. Hier irrt Prof. Dr. Pleil in seiner Meldung. Es geht darum, dass eine Verwendung von CC-lizenzierten Bildern durch eine korrekte Kennzeichnung, die u.a. die Lizenz nennt und deren Bedinungen bekannt macht, überhaupt erst zulässig wird[1].

Es geht nicht um eine Referenzierung im Sinne einer Quellenangabe für ein Bild, das man (angeblich ohnehin) “kostenlos” verwenden darf, wenn gewisse “formale” Dinge eingehalten werden. Es geht eben genau um den Geist der CC-Lizenzen. Und es ist die Lizenz selbst, die das eindeutig sagt:

“Diese Lizenz und die durch sie eingeräumten Nutzungsrechte erlöschen mit Wirkung für die Zukunft im Falle eines Verstoßes gegen die Lizenzbedingungen durch Sie, ohne dass es dazu der Kenntnis des Lizenzgebers vom Verstoß oder einer weiteren Handlung einer der Vertragsparteien bedarf.”
Zitiert nach Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland

Was die Lizenz an anderer Stelle und unter Bezug auf das deutsche Urheberrecht ein “unentgeltlich eingeräumtes einfaches Nutzungsrecht für jedermann” nennt, gibt es dann nicht, es wird gerade nicht eingeräumt. Und das Wort “kostenlos” kommt im gesamten Lizenztext überhaupt nicht vor.

Das Geschäftsmodell von Bernd P. und vielen anderen, sich für die eigene Webseite “kostenloses” Bildmaterial zu holen, um damit die eigene Webseite aufzuwerten, ja oftmals für sich durch Dritte bei Facebook auch noch (hier stimmt es:) kostenlos werben zu lassen, ohne sich für den Geist der freien Lizenzierung darüber hinaus noch zu interessieren, kann auf die Dauer nicht gut gehen.

Auch wenn Lobbyisten (wie auf https://irights.info und vielen anderen Seiten im Netz) versuchen, Urheber als “Abmahner” zu brandmarken: sie, die Urheber, fordern nur die ihnen zustehende Kompensation für eine erhaltene und genutzte Leistung ein. Ob sie das mit Augenmaß tun, wie ich es für mich reklamiere, oder ob sie es ihrerseits zu einem “Geschäftsmodell” machen … darüber kann man diskutieren. Nur eines ist auch klar: Wer sich an den Geist der freien Lizenzierung hält, der hat nichts zu befürchten[2]. Wer das tut, verdient dafür ein Dankeschön. Und ich bin der erste, der sich für eine – lizenzkonforme – Nutzung bedankt, selbst wenn dabei formale Fehler gemacht werden sollten.


  1. Denn: nur wenn die Lizenzierung und deren Bedinungen mitgeteilt und bekannt gemacht werden, ist eine Weiterverbreitung möglich. Wird die Lizenzierung verheimlicht, werden deren Bedingungen nicht mitgeteilt und bekannt gemacht, dann wird die Weiterverbreitung des Werks aktiv behindert. Die freie Lizenzierung wird verschwiegen. Man nutzt das Bild für sich selbst und seine Zwecke, und zwar nur und ausschließlich für sich selbst und seine Zwecke. Dies gilt natürlich ganz besonders, wenn der Lizenz widersprechende Kopier- und/oder Download-Vorbehalte gemacht werden.
    Das hat weder mit dem Geist noch den Buchstaben einer freien CC-Lizenzierung etwas zu tun; es ist und bleibt Bilderklau.
  2. Verbindlich ist immer nur der jeweilige Vertragstext der Lizenz. Urheber dürfen keine Einschränkungen (z.B. durch ergänzende Bedingungen) vornehmen.

Amt 2.0

Heute mal ein kurzer Beitrag: Schon vor ein paar Wochen habe ich das Blog http://amtzweinull.com von Christiane Germann gefunden.

Der komplette Titel der Seite lautet:

Screenshot-Ausschnitt von http://amtzweinull.com

Ich bin darauf gestoßen, weil Christiane Germann auch über das Posten von Bildern in Sozialen Netzwerken schreibt und davor ganz deutlich warnt. Auf der Seite http://amtzweinull.com/2014/06/14/urheberrecht schreibt sie am 14. Juni 2014 unter anderem über “das Problem, dass von Creative Commons die Unterlizensierung an soziale Netzwerke (…) nicht abgedeckt ist. Erlaubt wird nämlich höchstens eine ‘Weitergabe (von Nutzungsrechten) zu gleichen Bedingungen’, aber keine derart umfangreiche Einräumung von Rechten, wie sie beispielsweise Facebook bei Upload eines Fotos automatisch erwirbt. Der Fotograf kann an dieser Einschränkung nichts ändern, da sie standardmäßig in allen CC-Lizenzen (außer CC0) enthalten ist“.

Und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob die Nutzungsbedingungen von Facebook auch tatsächlich wirksam oder zulässig sind oder nicht. Aber unabhängig davon ist jedenfalls ist ein solches Teilen wie im folgenden Beispiel keinesfalls zulässig:

Willkürliches Facebook-Teilen-Beispiel

15.09.2014: Willkürliches Facebook-Teilen-Beispiel

Die Webseite www.webnews.de lockt z.B. auf Audiovorschau: Ich trag Dich bis ans Ende der Welt nichtsahnende Seitenbesucher in eine Falle. Wer auf “Link teilen” klickt, holt sich mein Bild von Elmar Wepper auf die eigene Facebook-Seite. Das Bild hat weder auf webnews.de etwas zu suchen, noch auf irgendwelchen Facebook-Seiten als Werbung für webnews.de. Die Ursache dafür hat freilich der User “Newsman” gesetzt, der das Bild samt Text seinerseits zur Werbung für sich und seine Seite dort eingestellt hat. Aber Webnews macht es sich ganz fröhlich zu eigen und lässt Elmar Wepper für sich werben.

Ich persönlich könnte damit dann leben, wenn im Text neben dem Bild automatisch mein Name und die Lizenzinfos inkl. Link mitgegeben würden. Das geht, es wird auf https://developers.facebook.com/docs/plugins durchaus verstehbar beschrieben, wie der übergebene Inhalt definiert wird. Und mit ein bißchen Recherche findet man auch deutschsprachige Anleitungen. Es ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.

Ich bin auch ganz dankbar für die knappe und leicht verständliche Erläuterung des Prinzips der Creative-Commons-Lizenzen, die sich auf derselben Seite von Amt 2.0 zum Urheberecht findet:

Bei Creative Commons gibt es umfangreiche Kennzeichnungspflichten. Ver­öf­fent­licht man ein solches Bild, müssen in unmittelbarer Nähe des Bildes der Ur­he­ber/Fotograf, der Bildtitel (falls vorhanden) und die Art der CC-Lizenz genannt werden. Zusätzlich muss sowohl auf die Lizenz, als auch auf die Originalquelle des Bildes verlinkt werden. Für den Fotografen ist dies eine Art ‘Entlohnung’, da er namentlich genannt wird und durch die Verlinkung sein Google-Ranking und/oder der Traffic auf seine Website steigt.

Das ist sehr schön und knapp zusammengefasst. Und auch die Erläuterung, was die Bedingungen der Lizenzierung unter einer der Creative-Commons-Lizenzen eigentlich sollen, ist klar. Warum gibt es diese Bedingungen? Sie stellen für den Urheber/den Fotografen eine Art Entlohnung sicher. Darum geht es, und das ist es, was man geben muss, wenn man sich Creativ-Commons-lizenzierte Fotos nehmen möchte: Die Anerkennung der Autorenschaft und die Mitteilung der Lizenz und Ihrer Bedingungen. Wer das ignoriert, der ignoriert den Fotografen und nutzt dessen Leistung einfach nur aus. Das ist nicht ok, und darum schreibe ich – soweit mir meine Zeit das erlaubt – hier auf http://bilderklau.lucan.de.

So eine Entlohnung für das Einstellen CC-lizenzierter Bilder, die ja letzten Endes nichts anderes ist als eine Online-Reputation, ist übrigens etwas sehr Wertvolles. Und da ist es kein Wunder, wenn Fotografen, die das so sehen, die Verweigerung dieser Entlohnung als Bilderkau ansehen. Das tue nicht nur ich, das tun viele. Und die Lizenztexte selbst sehen das auch so. Sie gelten nicht, wenn man die Lizenzbedingungen nicht einhält, und man fällt auf das gewöhnliche Recht, wie es im Gesetz steht, zurück. Mit allen Konsequenzen.

Mag es sein, dass es Fotografen gibt, die Ihre Bilder tatsächlich “kostenlos” zur Verfügung stellen wollen und die Einhaltung der Lizenzbedingungen als Entlohnung nicht weiter wichtig nehmen. Warum die dann nicht die Lizenz CC0 verwenden, ist mir allerdings schleierhaft.

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